Finanzierung

Der Beleihungsauslauf: Wie er Ihre Konditionen bei der Bank bestimmt

Neubau-Apartment mit Loggia in Pieschen – 5 % degressive AfA – Außenansicht

Zwei Anleger, gleiche Wohnung, gleiches Einkommen – und trotzdem unterschiedliche Zinsangebote. Der Grund liegt oft in einer Kennzahl, die im Bankgespräch selten ausführlich erklärt wird: dem Beleihungsauslauf. Er zeigt, wie viel Risiko die Bank mit Ihrem Darlehen eingeht, und entscheidet damit über die Zinsstufe. Wer ihn versteht, kann gezielt nachsteuern – manchmal schon mit wenigen tausend Euro.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis von Darlehen zu Beleihungswert, nicht zum Kaufpreis.
  • Der Beleihungswert ist ein vorsichtig ermittelter, dauerhaft erzielbarer Wert und liegt meist unter dem Kaufpreis.
  • Banken staffeln ihre Zinsen nach Stufen des Beleihungsauslaufs; knapp über einer Grenze zu liegen, ist besonders teuer.
  • Durch Tilgung sinkt der Beleihungsauslauf – das kann die Anschlussfinanzierung verbilligen.

Kaufpreis, Marktwert, Beleihungswert

Drei Werte werden im Alltag gern verwechselt:

  • Kaufpreis: der Betrag, den Sie mit dem Verkäufer vereinbaren.
  • Marktwert (Verkehrswert): der Preis, der zum Bewertungsstichtag am Markt erzielbar wäre.
  • Beleihungswert: der Wert, den die Bank als dauerhaft erzielbar ansieht – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Er wird vorsichtig ermittelt und liegt deshalb meist unter Kaufpreis und Marktwert.

Für vermietete Wohnungen spielt bei der Bewertung der Ertrag eine wichtige Rolle: Wie hoch ist die nachhaltig erzielbare Miete, welche Bewirtschaftungskosten fallen an? Daneben fließen Lage, Zustand, Baujahr und Vergleichspreise ein. Kaufnebenkosten und bewegliches Inventar erhöhen den Beleihungswert nicht.

Besonderheiten bei Kapitalanlagen

Weil der Ertrag eine so große Rolle spielt, wirken sich bei vermieteten Wohnungen einige Punkte direkt auf den Beleihungswert aus:

  • Miethöhe: Eine Miete deutlich unter dem Marktniveau drückt den Ertragswert. Eine ungewöhnlich hohe Miete setzt die Bank dagegen oft nur in nachhaltiger Höhe an.
  • Objektart: Sehr kleine Apartments oder Sonderformen wie möblierte Kurzzeitvermietung bewerten manche Banken zurückhaltender.
  • Zustand und Rücklage: Absehbarer Sanierungsbedarf am Gemeinschaftseigentum und eine dünne Erhaltungsrücklage können zu Abschlägen führen.
  • Lage: In Städten mit stabiler Nachfrage fällt die Bewertung meist näher am Kaufpreis aus als in Regionen mit sinkender Bevölkerung.

Beleihungsauslauf und Bonität sind übrigens zwei getrennte Prüfungen. Ein niedriger Beleihungsauslauf ersetzt keine tragfähige Haushaltsrechnung – und ein hohes Einkommen gleicht einen hohen Beleihungsauslauf nur teilweise aus.

So wird der Beleihungsauslauf berechnet

Die Formel ist einfach: Darlehen ÷ Beleihungswert × 100. Angenommen, Sie kaufen eine Wohnung für 250.000 €, die Kaufnebenkosten betragen rund 18.750 €, und die Bank setzt den Beleihungswert mit 225.000 € an, also 10 % unter dem Kaufpreis. Dann ergibt sich je nach Eigenkapitaleinsatz:

DarlehenEigenkapital inkl. NebenkostenAnteil am KaufpreisBeleihungsauslauf
135.000 €133.750 €54 %60 %
180.000 €88.750 €72 %80 %
202.500 €66.250 €81 %90 %
225.000 €43.750 €90 %100 %
250.000 €18.750 €100 %rund 111 %

Die Tabelle zeigt einen häufigen Denkfehler: Wer 90 % des Kaufpreises finanziert, liegt bei diesem Beleihungswert bereits bei 100 % Beleihungsauslauf. Wie groß der Abstand zwischen Kaufpreis und Beleihungswert ist, hängt von Bank und Objekt ab. Fragen Sie deshalb früh nach, mit welchem Wert die Bank rechnet.

Warum der Beleihungsauslauf den Zins bestimmt

Je höher der Beleihungsauslauf, desto größer ist das Risiko der Bank, bei einem Zahlungsausfall nicht ihr gesamtes Geld zurückzubekommen. Dieses Risiko lässt sie sich über einen Zinsaufschlag bezahlen. Viele Banken arbeiten mit Stufen, etwa bis 60 %, bis 80 %, bis 90 %, bis 100 % und darüber. Die genauen Grenzen und Aufschläge unterscheiden sich von Bank zu Bank.

Die günstigste Stufe liegt häufig bei bis zu 60 %. Das hat einen technischen Grund: Pfandbriefbanken können Darlehen bis zu dieser Grenze besonders günstig über Pfandbriefe refinanzieren. Darüber steigen die Kosten der Bank – und damit Ihr Zins.

Knapp über der Grenze: die teuerste Position

Ein höherer Zins gilt in der Regel für das gesamte Darlehen, nicht nur für den Teil oberhalb der Grenze. Deshalb ist es besonders ungünstig, knapp über einer Stufe zu liegen. Beispiel: Ein Darlehen von 182.500 € ergibt bei 225.000 € Beleihungswert einen Beleihungsauslauf von rund 81 %. Mit 2.500 € mehr Eigenkapital sinkt er auf genau 80 % – und rutscht womöglich in die nächstbessere Zinsstufe. Lassen Sie sich von Ihrer Bank zeigen, wo die Grenzen liegen und was der Wechsel in die nächste Stufe für Ihre Rate bedeutet.

Die Stellschrauben im Überblick

  1. Mehr Eigenkapital: der direkte Weg. Wie viel sinnvoll ist, lesen Sie im Beitrag Wie viel Eigenkapital brauche ich wirklich?
  2. Zusatzsicherheiten: Eine Grundschuld auf einer weiteren Immobilie oder ein verpfändetes Depot erhöhen den Sicherheitenwert. Mehr dazu im Artikel Eigenkapitalersatz.
  3. Kaufpreis verhandeln: Ein niedrigerer Kaufpreis senkt den Darlehensbedarf, während der Beleihungswert gleich bleibt.
  4. Vollständige Objektunterlagen: Mietvertrag, Modernisierungsnachweise und Wohnflächenberechnung helfen der Bank, den Wert sauber zu ermitteln, statt mit pauschalen Abschlägen zu arbeiten.
  5. Mehrere Banken anfragen: Banken bewerten dieselbe Wohnung unterschiedlich. Ein Vergleich lohnt sich nicht nur beim Zins, sondern auch beim angesetzten Beleihungswert.

Der Beleihungsauslauf im Lauf der Jahre

Der Beleihungsauslauf ist keine feste Größe. Mit jeder Tilgung sinkt das Darlehen, während der Beleihungswert in der Regel stabil bleibt. Angenommen, Sie starten mit 202.500 € Darlehen bei 90 % Beleihungsauslauf, 3,7 % Sollzins und 2 % Tilgung. Nach zehn Jahren beträgt die Restschuld rund 153.580 € – das entspricht bei unverändertem Beleihungswert einem Beleihungsauslauf von etwa 68 %.

Zum Vergleich: Wer die Wohnung mit 250.000 € Darlehen kauft und damit bei rund 111 % startet, hat nach zehn Jahren unter denselben Annahmen noch rund 189.610 € Restschuld. Das entspricht einem Beleihungsauslauf von etwa 84 % – eine spürbare Verbesserung, aber immer noch eine höhere Stufe als im ersten Fall. Ein hoher Beleihungsauslauf beim Kauf wirkt also lange nach.

Für die Anschlussfinanzierung ist das ein Vorteil: Sie liegen nun in einer deutlich besseren Stufe als beim Kauf. Allerdings bewertet die Bank die Wohnung dann neu, und eine Wertsteigerung ist nicht sicher. Eine höhere Tilgung oder gezielte Sondertilgungen vor dem Ende der Zinsbindung können helfen, eine bestimmte Grenze sicher zu unterschreiten. Wie Sie sich auf die Anschlussfinanzierung vorbereiten, lesen Sie im Beitrag zum Zinsänderungsrisiko.

Fazit

Der Beleihungsauslauf ist der Schlüssel zu Ihrer Zinsstufe. Entscheidend ist nicht der Kaufpreis, sondern der Wert, den die Bank als dauerhafte Sicherheit ansetzt. Wer weiß, wo die Grenzen seiner Bank liegen, kann mit etwas mehr Eigenkapital oder einer Zusatzsicherheit gezielt eine günstigere Stufe erreichen. Fragen Sie deshalb schon vor dem Kauf nach dem angesetzten Beleihungswert, damit Ihre Kalkulation von Anfang an auf realistischen Zahlen steht.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Finanzierungsberatung. Gesetze, Förderbedingungen und Zinsen ändern sich – Stand: Oktober 2026.

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